Einfach mal ganz ohne Ziel | offener Brief Nr. 007
Einfach was tun. Ohne Ziel. Nur so zum Spaß. Geht das überhaupt noch? Ehrlich, ich hab keine Ahnung. Jedenfalls mir persönlich fällt das schwer, extrem schwer sogar.
Ich lese ein Buch, um was zu lernen, ich mache Sport, um “besser” zu werden, ich arbeite, um Geld zu verdienen. Und vieles mehr. Immer unter Strom stehen ist ganz schön anstrengend. Warum geht das eigentlich nicht anders?
Es gibt sicherlich Leute, die das gut können. Ich gehöre nicht dazu. Nun, es liegt vielleicht daran, dass ich beruflich sehr eingespannt bin und ich deshalb nicht einfach irgendetwas ohne Ziel tun kann – nicht “abschalten” kann. Ja man sollte sich in bestimmten Lebensbereichen davon lösen. Einfach eine Party besuchen. Aber auch hier könnte man schon wieder das Ziel haben, Spass zu haben.
Nun versuchen Sie es. Wie gesagt: Es ist verdammt schwer.
Und meine Kunden? Nur zielorientiert? Meist steht die Frage im Raum: Was bringt es mir, wenn wir das machen? Oder bei einem Erstkundengespräch. Was kostet es? Was bringt es mir unter dem Strich? Auch dort macht sich die Meinung breit, dass nur etwas mit Planung, Struktur, Zielorientierung und Kontrolle zu erreichen ist. Kein Spass, kein Risiko, kein unternehmerischen “Bauchgefühl” mehr. Nichts mehr vorhanden.
Kann durchaus, sein, dass das ein “typisch” deutsches Verhalten ist. Aber was bringt es mir persönlich oder den anderen die dieses Problem erkennen. Ich/wir wohnen nun einmal in Deutschland. Also kann ich auch hier nur etwas im “Kleinen” versuchen zu ändern.
Einfach etwas tun wo das Ziel/die Ziele nicht auf einen DIN A4 Blatt als 3-Jahresplan steht. Kein Forecast. Nichts dergleichen. Probieren Sie es mal aus. Es könnte funktionieren. Das wäre für uns alle, die damit Probleme haben, ein Ziel für kommende Woche.

Beste Grüsse
Jürgen Linsenmaier


Betriebsblind?;-) Nicht im Sinne von Geschäftlichem sondern eher von “Betriebsamkeit”. Da mache ich mir auch hin und wieder Gedanken drüber. Der “Deutsch- Aspekt” ist mir dabei auch eingefallen. Wobei ich versucht bin zu glauben, das die Mentalität zugeknöpft und Scheuklappen tragend fürs Ich und fürs Gewissen, auch ab und an für Andere nur das Beste zu wollen, kein Langzeitmodell für ein erfülltes Leben sein kann. Dann ist es vielleicht doch eher die Moral, zielverpflichtet und strebsam ein produktives Dasein zu führen.
Einfach was tun, ohne Ziel, das tut gut. Und es bringt uns unserem inneren Kind sehr nahe.
Fürs Wochenende vorgemerkt,
mit besten Grüssen