Die Marketingberater

Eine andere Meinung zum Thema XING und Werbung

BLOGGER-Leser Alexander Schmidt und seine Sicht der Dinge:

Grundsätzlich möchte ich niemanden persönlich etwas unterstellen, möchte aber die logische Konsequenz einer intelligenten Führung, egal ob aus Wirtschaft oder Politik, versuchen darzustellen.

“Xing und die Kommunikation mit Kunden” oder “Xing und die Kommunikation mit der Hammelherde” und der zu erwartenden Reaktion.

So wie es kam und kommen musste war es geplant und gewollt. Ein Aufschrei von 1-2% der zahlenden Mitgliedern war in sämtlichen Gruppen zu lesen. Sicherlich waren auch viele NON Premiums daran beteiligt. Der Zeitpunkt, Jahreswechsel, hätte nicht besser gewählt werden können, denn so war der Aufschrei zwar laut, aber überschaubar.

PR Meldungen machten die Runde, der Kurs fiel um knappe 6%, reizvoll für den “Einen”, weniger reizvoll für den “Anderen”, immer eine Frage welche Summe investiert wird ;-). Wie gesagt, alles sehr überschaubar. Wäre der Kurs um 10% gefallen, hätte es sicher dem ein oder anderen ein noch breiteres Grinsen beschert.

Kurz vor oder nach Börsenschluss kam dann die lang erwartete Meldung: Premiums dürfen Werbung abschalten, juhu, doch war das von Anfang an klar.

Letztendlich alles perfekt geplant und umgesetzt, hätte eigentlich nicht besser laufen können.

Eine taktisch kluge Vorgehensweise, wie man sie auch in der Politik vorfindet. Die Hammelherde dort ist die Presse, die mit heftigem Aufschrei reagiert. Die Schäfchen, wir, das Volk meckern zwar, können aber nichts tun, lassen es geschehen und nehmen es hin.
So erinnere ich mich als Raucher an die Meldung: Eine Packung Zigaretten kostet ab dem Zeitpunkt X, ist glaube 2 Jahre her, einen Euro mehr. Die Hammelherde schrie vehement auf, die Schäfchen meckerten lautstark.

1-2 Wochen später wurde dann “beschlossen” diesen einen Euro nicht auf einmal, sondern in drei Schritten binnen eines Jahres zu erhöhen. Kurze Zeit später verstummte das Meckern der Schäfchen und alles konnte, wie von Anfang an geplant, durchgesetzt werden. Beispiele wie diese gibt es genügend.

Hier in Xing ist die Hammelherde der User, der sich traut, seinem Unmut in den Foren Luft zu machen. Die Schäfchen sind die Mitleser, die die Dinge hinnehmen, wie sie kommen, meckern vielleicht in Ihrem Kämmerchen, doch akzeptieren letztendlich.

Dem Hammel wird letztendlich ein Stück weit entgegen gekommen. der ein oder andere regt sich zwar noch ein wenig auf, aber auch das verhallt schnell.

Doch Hammel haben noch viele weitere Vorteile: Sie bringen die Botschaft kostenlos in Umlauf, auch wenn es sich auf den ersten Blick eher schlecht, hier für XING, darstellt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Durch die Aufruhr und daraus automatisch folgenden Meldungen der Presse wird dem eventuellen Werbepartner etwas spannendes angeboten: Es herrscht LEBEN bei XING. Vor allem die Möglichkeit auf Profilen werben zu können wurde durch die Diskussionen erst richtig angeheizt und nach außen kommuniziert, ohne das Xing sich dabei hat anstrengen müssen. Genau das ist für den Werbenden interessant, genau das! Gibt es eine bessere Werbung? Grinst!!

Wofür ist der Werbende bereit Geld auszugeben? Genau, Klicks durch potentielle Kunden zu erhalten, bzw. da sichtbar zu sein, wo es Sinn macht. Das heisst, gebe ich über die Suchfunktion den Namen eines evtl. Mitglieds ein ist eine Schaltung relativ uninteressant, vielleicht für eine Bank ooder Ebay noch akzeptabel. Interessant wird es doch erst über den Suchbegriff, den jedes Mitglied bei sich selbst geschrieben, bzw. stehen hat. Ganz klar wird man auf seinem Profil mittelfristig den Mitbewerber antreffen. Der Profilinhaber selbst sieht dies natürlich nicht, logisch oder? Das wird auch dann für den Einzelnen sehr spannend sein, wenn ein Chef auf das Profil seines Angestellten klickt und dort den grinsenden Mitarbeiter neben der Werbung des Mitbewerbers sieht. Oder die vielen Existenzgründer, die sich hier kostenlos präsentieren und gleich kostenlos den Mitbewerber auf Ihrer Profilseite haben.

Am wichtigsten sind erst einmal die 88% NON PM`s. Mit denen wird in Zukunft richtig Kasse gemacht, zwar auf deren Kosten, aber legal !!!! Das alles hat auch wenig mit Datenschutz zu tun, denn es werden keine Daten der Person herausgegeben, sondern eben nur die “Such-Schlagworte” derer benutzt und die unterliegen keinem Datenschutz, da die Ergebnisseite viele Profile darstellt und der User will ja auch gefunden werden.

So steht nun dem Ziel, Wachstum zu generieren, nichts mehr im Wege. Ich gehe mal davon aus, hätte XING eine Rundmail mit dem Hinweis “Hier können Sie die Werbung abschalten” an alle PM`s geschickt, hätten weitaus mehr PM`s Gebrauch davon gemacht, als es jetzt der Fall sein wird. So sind nun auch hier mehr Werbeflächen zu vermarkten.

Auch die Auswertung all dieser Threads ist letztendlich lukrativ. Wieviele haben z.B. geschrieben, bereitwillig mehr zu bezahlen als jetzt. Was wird wohl in den kommenden Monaten passieren?

Fazit:
Die Kummunikation hat bestens funktioniert und war bis ins kleinste kalkulierbare Detail clever umgesetzt.

Da meine Wenigkeit hier nun auch getextet hat geselle ich mich vom Schaf zum Hammel, lacht und werde die Abschaltfunktion, sobald sie verfügbar ist, nutzen.

Vielleicht werde ich ja auch gefeuert…..

In diesem Sinne grüßt

Alexander Schmidt, der es auch lieber anders gesehen/erlebt hätte, aber so funktioniert leider Politik

Kommentare

9 Antworten auf “Eine andere Meinung zum Thema XING und Werbung”
  1. Horst Schlämmer sagt:

    Naja, ob das wohlwollend von den Werbekunden aufgenommen wird – wenn man Werbung abschalten kann, tut man es auch – wo ist da eine Werbeeffekt für XING zu sehen – ausser Negativ-PR!

  2. Ich sehe das anders: Xing ist ein börsennotiertes Unternehmen. Der Kapitalmarkt interessiert sich letztlich nur für eines: der Unternehmenswert, jetzt und insbesondere in der Zukunft. Diesen Unternehmenswert hat Xing mit seinem Verhalten nachhaltig geschadet, denn das “Branding”, das Ansehen der Marke, der Markentwert, ist ein großer und wichtiger Teil dieses Unternehmenswerts.

    Kurzfristig mag die obige Rechnung aufgehen, langfristig tut sich Xing keinen Gefallen mit den Kommunikationspielchen, die es treibt. Und damit meine ich nicht nur die Werbegeschichte, sondern viele andere Dinge, die einfach “passieren”, ohne dass die User/Kunden informiert werden. Das Unternehmen macht sich unglaubwürdig – und das kann der Kapitalmarkt überhaupt nicht vertragen.

  3. Alexander Schmidt sagt:

    Liebe Frau Ackstaller,

    Sie schrieben:
    ” Kurzfristig mag die obige Rechnung aufgehen, langfristig tut sich Xing keinen Gefallen mit den Kommunikationspielchen, die es treibt. Und damit meine ich nicht nur die Werbegeschichte, sondern viele andere Dinge, die einfach “passieren”, ohne dass die User/Kunden informiert werden. Das Unternehmen macht sich unglaubwürdig – und das kann der Kapitalmarkt überhaupt nicht vertragen”

    Da bin ich vom Gegenteil überzeugt. Der User wird diese Angelegenheit bald vergessen haben, weiter bei XING bleiben, Neue werden hinzukommen, die
    davon ohnehin nichts mitbekommen haben.
    Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, regt sich ganz schnell auf und ebenso vergisst er wieder. Ist doch in der Politik nicht anderes. 4 Jahre regen sich die Schäflein auf um dann doch wieder ihr Häkchen da zu machen, worüber sie sich aufgeregt haben.

    Je größer ein Unternehmen, je mehr hat es Dreck am Stecken. Das ist schon immer so und wird immer so bleiben. Geld ist die Macht, die Kriege schafft, egal auf welcher Ebene.

    Herzlichst grüßt

    Alexander Schmidt

  4. Ich glaube Sie haben Recht, Herr Schmidt.
    Wenn ich mich erinnere, an die Skandale um die KPMG z.B. nach denen kräht heute kein Hahn mehr, die Fa. hat gut zu tun.
    Immer wenn Geld im Spiel ist oder sein wird, wird das Gedächtnis schwach.
    Wer spricht heute noch von den Peanuts der Deutschen Bank?
    Beispiele gibt es ohne Ende, Xing kann die Geschichte gut aussitzen, da bin ich sicher.

    Viele Grüsse
    Martina Bloch

  5. Ich rede nicht vom User/KUnden – ich rede vom Kapitalmarkt und von möglichen Investoren. Die wird Xing weiterhin brauchen, zum Beispiel bei einer möglichen Kapitalerhöhung.

    Und da ist schon ein Unterschied, ob es sich um ein junges Unternehmen handelt, das sich mit ungeschickter Kommunikation in die Presse bringt, oder um ein Unternehmen, das es schon seit Jahrzehnten gibt und sich bewährt hat. Da ist man sicher “toleranter”.

    Schlechte Kommunikation ist auch deshalb für Xing besonders ungeschickt, weil die Plattform ja letztendlich Kommunikation verkauft. Will sagen: Xing schadet ihrer (vermeintlichen) Kernkompetenz – und damit ihrer Equity Story.

  6. Nicht viel anders ist meine Interpretation der Dinge.
    Es war bestens durchdachte Werbung. Im Sinne von vebotenen irreführenden ad-hoc Meldungen sauber geplant und der Kurs wird bald auch wieder steigen.

    Die Alternative wäre, Herr Hinrichs wäre wirklich so naiv, dass keiner auf die Änderungen eingeht. Aber das vermag ich kaum zu glauben.

    Vielmehr hat er nun die Werbung, die er benötigt um weitere Werbepartner an Land zu ziehen.

    An der Welle habe ich mich jedoch auch gerne beteiligt, diese auch zeitweise mitangeheizt.

    Denn was bleibt, ist der schale Nachgeschmack einer fragwürdigen Deutung der informellen Selbstbestimmung jedes Einzelnen.

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